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Du betrachtest gerade Der König der Weißweine schläft – Winzer*innen versuchen, ihn wachzuküssen

Der Rheinriesling war über Jahrhunderte hinweg der edelste Weißwein der Welt – und selbstverständlich auch in Frankreich als solcher anerkannt. Diese Sorte hatte sogar ein eigenes Synonym für ihre Aromatik: den Begriff „Blume“. Zurzeit ist der Rheinriesling für die meisten Konsumenten nur eine Randsorte – und auch in den Weinpublikationen selten ein Thema.

Wie und warum konnte diese ganz große Sorte und Weintypizität so still an den Rand des Weinsortiments geraten?
Es erklärt sich im Grunde einfach: Die Besonderheit, die seine Größe ausmacht, ist die lange und besondere Fass-Gebindereife. Denn mindestens ein Jahr muss der Wein reifen – und der Rheinriesling bedarf, wenn er seine volle Größe ausspielen will, auch der Mikrooxidation, die eine weitere, mindestens halbjährige Holzfassreife erfordert. In Summe – neben der sorgfältigen Arbeit im Weinberg – bedeutet das für diese Sorte einen erheblich höheren Mehraufwand als bei jeder anderen.

Damit sind wir beim marktrelevanten Thema: Kosten. Ein wirklich großer Rheinriesling ist aufgrund der speziellen Produktionsanforderungen unter 35 Euro nicht herstellbar. Trotzdem bemühen sich engagierte Winzer*innen um diese Sorte – aber meist im Rahmen eines Kompromisses, um den Wein zu den üblichen Preisen der „Besseren“ um 15 bis 20 Euro anbieten zu können.

In der kleinen Elite der Wachau lässt sich ein großer Rheinriesling – etwa bei Hirtzberger, Alzinger, Knoll, Prager usw. – auch zu den produktionstechnisch notwendigen Preisen finden. Aber das Spannende: In Röschitz, wo für den Rheinriesling ideale Bedingungen auf Urgesteinsböden herrschen, zeigt sich in den letzten Jahren eine Spezialisierung auf die Sorte mit beachtlichen Ergebnissen.

Im gesamten Weinland finden sich Winzer*innen, die sich wieder dieser Sorte annehmen. Eine Chance für die Zukunft besteht – denn im Massenverkauf zumeist einheitlicher Supermarktweine wird das Besondere gesucht. Der Onlineverkauf sowie die Spezialisierung von Vinotheken könnten eine Renaissance ermöglichen. Die Anzeichen dafür sind da.