In schwierigen Zeiten – von High Tech bis zu Oldtimern
Deshalb – wohin geht es Herr Kittenberger ?
Das Gesräch mit Matthias Kittenberger führte Sepp Baldian
SB: Herr Kittenberger, Landtechnik macht ihnen offensichtlich Freude…
MK: Gibt es einen spannenderen Beruf, in dem die Technik-Entwicklung von den 50er Jahren bis heute täglich erlebt wird? Da kommt ein Kunde mit seinem alten Liebling – einem 15er Steyrer Traktor, und fast zeitgleich ein anderer mit einem Fendt der letzten Generation! Landmaschinen-Technik von Einst und die IT-Welt von heute – treffen sich hier ganz normal; mit der gleichen Erwartung: nämlich dass wir ihre Problem lösen können!
„Es ist für uns normal, sowohl mit einfacher Technik als auch mit IT/High-Tech zu arbeiten.“

Diese laufenden Herausforderungen in kürzester Zeit zu erfüllen, das kennt keine andere Branche – schade ist nur, dass unsere Branche unter „Landtechnik“ oder „Landmaschinen“ firmiert. Denn – umgelegt auf Autos – müssen wir das Wissen und Können mitbringen, einen 1955er Opel genauso wie einen SUV der letzten Generation in seiner Technik zu beherrschen und unser Können über die gesamte Bandbreite einsetzen. Die zeitgemäße Landtechnik bedarf einer Auseinandersetzung mit hochwertigem Maschinenbau, Elektronik und IT, und das noch unter großem Zeitdruck – denn wir betreuen Arbeitsgeräte, die in den Saisonen sehr schnell wieder einsatzbereit sein müssen!
SB: Herr Kittenberger, als ich das letzte Mal bei Ihnen war, habe ich erlebt wie Sie bei einem Fremdfabrikat einen Fehler suchten. Es wurden mit dem PC und Unterlagen daran gearbeitet, das Problem zu erkennen und zu lösen…
„Der Ausdruck ‚Fremdfabrikat‘ stört mich etwas, denn wenn einer unserer Kunden ein Problem hat, ist das zu lösen, da gibt es keine Unterschiede.“
MK: Das ist unser Job; der Ausdruck ‚Fremdfabrikat‘ stört mich etwas, denn wenn einer unserer Kunden ein Problem hat, ist das zu lösen, da gibt es keine Unterschiede. Sicher, durch die laufenden Schulungen hat man bei eigenen Vertriebsprodukten einen Vorteil um vielleicht schneller die Ursache eines Problems zu erkennen und zu lösen. Aber in unseren Dateien am PC bzw. am Laptop haben wir fast alle Lösungen über den gesamten Bereich.
Diese Vielfalt an Herausforderungen ist der Reiz des Berufes: einen ERO Vollernter zu betreuen, aber ebenso einen „einfachen“ Stockputzer in Funktion zu bringen – es ist abwechslungsreich!

SB: Herr Kittenberger, eigentlich müssten sich doch alle Jungen, die an der Vielfalt der Technik Interesse haben, bei Ihnen um einen Job anstellen! Bei einem Auto kennt das jeder – mit einem Diagnose Stecker wird die Fehlerquelle gesucht und dann fast immer der gesamte defekte Teil ausgetauscht. Bei dem Job, den Ihre Branche ausübt ist alles von Kreativität bis hin zur autonomen Arbeit gefordert – eintönig ist das sicher nicht! Die neuen Sprayer von Inovell sind sogar der Zeit ein kleines Stück voraus bzw. ist es noch etwas fremd, den Bildschirm wie im Auto als zentrales Steuerelement zu haben…
MK: Leider ist das nicht so! Alte Vorurteile der Landtechnik gegenüber bestimmen immer noch in vielen Köpfen. Sicher, die Wurzeln der Landtechnik liegen beim Dorfschmid, aber heute bestimmen IT und komplexe Technik den Alltag wie in keiner anderen Sparte!
SB: Kann das an der Bezahlung liegen..?
MK: Keinesfalls. Wir wissen um den Wert unserer 12 Mitarbeiter – deren Können und Einsatz auch sehr ordentlich honoriert wird!
SB: Herr Kittenberger, um dieses Thema abzuschließen: wäre es nicht sinnvoll, gemeinsam mit Ihren Kollegen, ähnlich wie in anderen Bereichen schon üblich, einen ‚Tag der offenen Tür‘ anzudenken? Ihre Partner von Fendt, Kubota, Inovell usw. müssten doch auch Interesse haben – denn ohne qualifizierten Mitarbeiter in der Landtechnik sind ja jegliche Maschinen unverkäuflich. Sehr hypothetisch gesprochen: in Ballungsräumen einmal den Alltag zeigen, die spannende Technik erkennen lassen, anstelle der Monotonie der KFZ Welt von heute. Hinzu kommt ja noch, dass Ihre Branche in den schönsten Regionen Österreichs – dem Weinland – angesiedelt ist.
MK: Dieser Gedanke ist sicher eine Überlegung wert!
SB: Herr Kittenberger, Sie errichteten eine neue Halle mit Schauraum, vergrößerten Ihre Werkstätte und bauen noch weiter aus..?
MK: Das gehört zu unser Entwicklung. Das Thema Preis bzw. Kosten ist für uns und unsere Partner, die Winzer, ein nachrangiges Thema. Im Vordergrund steht die Anpassung der Technik an die individuellen Bedürfnisse. Jeder Betrieb hat „seine“, dem Betrieb angepassten, speziellen Wünsche, die von den Arbeitsabläufen bestimmt werden. Für diese Gespräche ist eine praxisaugliche Präsentation absolut nötig um anhand der Beispiele die richtige, dem Betriebsziel angepasste Lösung zu entwickeln.
SB: Herr Kittenberger, Rabatt, Aktionen, Preise und Lockangebote bestimmen im KFZ-Markt die Werbung. In der Landtechnik war früher das Messeangebot der „Verkaufshammer“ – wie ist das in Ihrer Branche heute?
„Das Thema Preis, Kosten, Rabatte ist bei uns schon lange das „letzte“ Thema, auch für unsere Kunden.“
MK: Ob Sie es glauben oder nicht – das Thema Preis, Kosten, Rabatte ist bei uns schon lange das „letzte“ Thema, auch für unsere Kunden. Im Vordergrund steht stets das beiderseitige Erkennen, ob mit der jeweiligen Technik oder Maschine genau den Anforderungen des Betriebes entsprochen wird. Das sind die Themen, die bestimmen – und nichts anderes. Klar, am Schluss gehört die Frage nach einem Rabatt zur Tradition – beiderseits mit einem Augenzwinkern angesprochen – es ist aber nicht verkaufsentscheidend.

SB: Herr Kittenberger, wohin geht die Zukunft Ihres Betriebes?
„Vor uns steht die spannendste Zeit, vieles verändert sich – wie beispielsweise der Winterschnitt, wo z.B. die Neuseeländer eine Richtung zeigen; ein großes Thema, das zwar noch in einer extremen Entwicklungsphase ist, aber mit Sicherheit kommt…“
MK: Es geht darum, praxistaugliche Wege zur vollen Autonomie im Weingarten zu erschließen. Arbeitskräfte gibt es kaum noch, hinzu kommt, dass der Weinbau Spezialisten braucht – eine Rebzeile ist schnell ruiniert! Die Arbeit wird noch dazu vom Klima und Witterung bestimmt – Pflanzenschutz und Lese werden nun einmal nicht von einem Kalender vorgegeben sondern von der Natur.
Wir setzen uns mit diesen Entwicklungen schon lange auseinander – wir beobachten, prüfen in der Praxis, soweit es uns möglich ist, die vielen Wege – der Trend zur Autonomie ist voll da – aber die Alltagspraxis ist eine andere, als jene der Entwickler.
In Summe: Vor uns steht die spannendste Zeit, vieles verändert sich – wie beispielsweise der Winterschnitt, wo z.B. die Neuseeländer eine Richtung zeigen; ein großes Thema, das zwar noch in einer extremen Entwicklungsphase ist, aber mit Sicherheit kommt…
Es klingt vielleicht futuristisch, aber die Vollernter wurden aus dem gleichen Arbeitskräfte-Mangel heraus entwickelt. Der Vollernter brauchte 35 Jahre um von einem „Unikum für Spinner“ zu einem Gerät zu werden, das bessere Ergebnisse liefert, als die Handlese von Laien!
SB: Herr Kittenberger, ich danke Ihnen für das Gespräch!
