• Beitrags-Kategorie:Aktuelles / Wine 4.0
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Aus den Visionen wird Realität – vorab stellen sich viele die Frage: brauchen wir das?

Diese Frage ist mit einem uneingeschränkten Ja zu beantworten. Hilfen oder Fachleute gibt es nicht mehr genug, denn der Weinbau und die Landwirtschaft leben in der freien Natur – Regen, Kälte, Hitze und Kulturform bedingt einen unregelmäßigem Arbeitseinsatz. 

An der Bezahlung liegt es schon lange nicht mehr, die Gebote liegen zur Zeit weit über den üblichen, aber es ändert nichts – Arbeitskräfte, die präzise und verlässlich arbeiten, lassen sich nicht finden. Helfer aus der Slowakei, Polen, Tschechien und Ungarn überbrückten bis vor einigen Jahren das Personaldefizit. Auch diese stehen nicht mehr zur Verfügung, da sich in ihren Heimatländern die Arbeitsbedingungen verbessert haben. 

Diesen Arbeitskräftemangel erkannte die Industrie und ist nun in einem  Wettlauf z.B. bezüglich der Winterschnittautomation, die fachlich gut und sinnvoll für Qualitätsweinbauländer funktionieren soll. An der Entwicklung einer perfekten Winterschnittautomation wird weltweit intensiv gearbeitet, denn wenn diese gelingt, ist es für die Unternehmen ein Markt, der über dem gesamten Umsatz des Lesemaschinenmarktes liegen würde. Im Moment ist die Entwicklung dieser Technik noch in der Nähe zur Rasur zu sehen, aber Langois in Neusseeland ist mit den Vine Stripper auf Kurs (http://www.langlois.co.nz/langlois-vine-stripper/double-row-vine-stripper.html). 

Der vollautomatische Weingarten ist im Grunde bereits seit langem kein Problem: Der junge IT-Spezialist Gernot Zechmeister aus Gols entwickelte schon vor 8 Jahren ein Praxis gerechtes Modell zur vollständigen Datenerfassung und Steuerung. Ein anderer Pionier DI Bernhard Peschak bewies mit seinen Entwicklungen, dass ein voll autonomer Traktor, der Vino Track, in der Praxis funktioniert. Kleine Beispiele, die zeigen, dass diese Gedanken in vielen Köpfen sind. 

Für die globalen Player (zB. AGCO zu den die Marken Fendt, Massey Ferguson, Valtra und Challenger gehören oder CNH mit den Marken New Holland, Steyer, Case und Fiat Agri) ist die vollautomatische, autonome Landwirtschaft mit Zugmaschinen und Zubehör ein Thema von gestern, denn die Lösungen sind schon längst vorhanden. Im Weinbau ist es heikler als in der Landwirtschaft, da er insbesondere in Deutschland, Österreich und der Schweiz und den kleinflächigen Strukturen Europas nur ein sehr kleiner Markt ist. Das Problem: die Gesetzgebung in Europa verpflichtet zu einem wenn auch passiven Fahrer. Das heißt hohe Investitionen plus die Kosten eines ausgebildeten Traktorfahrers. Solange diese Rechtslage besteht, ist der voll autonome Weingarten eine Vision. Sicher, die mannigfaltigen Hilfsmittel und Programme erleichtern eine präzise Arbeit, aber die Lösung sind sie zur Zeit nicht.  Betrachtet man aber die schrittweise Automatisierung im öffentlichen Nahverkehr in Großstädte wird es sich auf lange Sicht auch in Weinbau und Landwirtschaft ändern.  

Insbesondere in Frankreich wurden kleine Start-Ups gegründet, die voll elektrische, autonome und klimaneutrale Weingartentechnik entwickelten. 

Diese Entwicklungen kann man in ferner Zukunft sehen oder sich schon jetzt damit informell befassen. Nur als Gedankenanstoß: der Vollernter war vor 15 bis 20 Jahren ein Exot und heute laufen sogar in dem kleinen Weinort Perchtolsdorf 2 Stück. Er wurde zum Alltag und kann auch als Modell dienen. Die Ergebnisse damals waren höchstens für den Massenkonsum brauchbar, jetzt sind sie um einiges besser als jene von überforderten Erntehelfern. Die Veränderungen haben eine gewaltige Dynamik – die starken Interessen der Startups und der Weltkonzerne sind der Motor an dieser völligen Neuausrichtung. Diese Entwicklung lässt sich an manchen Sprayern von heute nachvollziehen: Es gibt jetzt schon Geräte, die jeden Arbeitsgang, die Zeit und eingeseztes Produkt digital erfassen und rechtlich korrekt übermitteln.    

In Zukunft finden Sie hier breit gefächerte, neutrale Informationen – wir denken, dass es gut ist sich mit diese Entwicklungen zu befassen, aber auch mit Investitionen abzuwarten. Es ist wie bei den Vollerntern: jede neue Technik braucht Praxiserfahrung und die Pioniere leisteten diese.