Ein steirisches Denker- und „Wein-Träumer“ Team
Franz Lampl-Küssner und Luis Frauwallner: Auf dem Rosenberg bei St. Peter am Ottersbach denkt man Ungewöhnliches an – und setzt es auch um.





Roter Traminer- Franz Lampl-Küssner liebt das Ausgefallene
Außergewöhnliche Trauben, einer außergewöhnlichen Traubensorte ist FLK bereit, außergewöhnlich zu honorieren.
Grüner Sylvaner – Luis Frauwallner – Mit Akribie einem legendären Wein auf der Spur
Mit Spontangärung nach altem System – ohne jegliche Hilfsmittel – ein Wein von unfassbarer Qualität mit nur 10% Alkohol – eine Mundfülle die einem vollreifen Wein mit knapp 13,5%Alkohol entspricht – wie kann das sein?
Morillon – der Steirische Chardonnay – eine eigenständige Sorte
Heute ist der Morillon fast ausgestorben. Er ist aber mehr als nur das Synonym für Chardonnay. Franz Lampl-Küssner und Luis Frauwallner suchen Uraltweingärten, die mit größter Wahrscheinlichkeit der Morillon Selektion von Erzherzog Johann entsprechen. Der Wein, eine ganz besondere Persönlichkeit, soll nun wissenschaftlich auf die Genetik untersucht werden (DI Regner HLBA Klosterneuburg).
Befasst man sich mit diesem Duo, ihren Wegen, Ansichten und Maßnahmen, so wirkt das wie aus der Zeit gefallen.
Zu den handelnden Personen
Franz Lampl-Küssner ist ein unbeschreibliches Energiebündel. Er ist Weinbauer, Landwirt und Unternehmer in Personalunion. Mit seiner Firma KOL-Technik hat er ein ganz unübliches Modell für Weingartentechnik und Kellerei erfolgreich entwickelt. Seine Vision: Nicht nur die großen Winzer sollen beste Qualität mit leistbarem, Maschinen- und Geräteeinsatz herstellen können. Aus eigener Erfahrung weiß FLK, dass man heute vermehrt technische Unterstützung braucht; einerseits, weil gute Arbeitskräfte immer rarer werden, und andererseits, naturschonende und zeitsparende Technik teuer ist. So installierte er ein Leihsystem für Maschinen und Geräte, die nur sporadisch gebraucht werden. Viele Landwirte begeistern sich dann für das eine oder andere Gerät und können dieses, statt mit dem teuren Neupreis, günstiger erwerben. Ebenso bietet er Lohnarbeit jeglicher Art mit Traktoren und Spezialmaschinen (z.B. Laubbläser oder Vollernter) samt Bedienungspersonal an. So gibt es z.B. auch ein Team, das Steillagen das ganze Jahr bei jeder Witterung bearbeitet.
Daneben arbeitet ein Team an einem Steuerungstechnik Projekt, mit dem Ziel ein leistbares Instrument einer Überwachungssteuerung mit Aufzeichnungsmöglichkeit für Pflanzenschutz zu bauen, mit dem man kostengünstig Arbeitszeit spart und die Qualität steigert.
Neuestes Betätigungsfeld: die Entwicklung eines günstigen BUS-gesteuerten, elektrischen Joystick mit 32 Funktionen.
Ein Imperium an Ideen und Umsetzungen, das nur mit einem hochmotivierten Team unter der Leitung eines genialen Chefs, Franz Lampl-Küssner, gelingen kann.
Luis Frauwallner ist Pädagoge mit Hand, Herz und Hirn. Seine Leidenschaft, neben der Wissensvermittlung, galt und gilt seit einem halben Jahrhundert den Kulturgütern Brot und Wein. Seit er 1977 in einen Mühlenhof einheiratete, betrieb er, neben dem Unterrichten, das zur Ottersbachmühle gehörende Familienweingut am Rosenberg. Ab 2015 keltert nun sein Freund und Geschäftspartner Franz Lampl-Küssner diese Weine, die als Mühlenweine, unter anderem im neu geschaffenen Mühlengasthaus in Wittmannsdorf bei St. Peter am Ottersbach, vermarket werden. Dies war auch der Beginn einer fruchtbaren Symbiose. Auf der einen Seite der von Ideen und Umsetzungsgeist getriebene junge „Alles geht“- Macher und auf der anderen Seite der reflektierende, vieles hinterfragende Ältere – der Consultant, wie er sich bezeichnet.
Luis Frauwallner steckte sich vor 50 Jahren über die Literaturgeschichte mit dem Bazillus Grüner Sylvaner an. Der Satz: „beim Sylvaner saßen die Herren tage- und nächtelang zusammen,“ ging ihm nicht mehr aus dem Kopf und trieb ihn an, diese alte Rebsorte wieder auszupflanzen und sie vor dem Vergessen zu bewahren.
Der Sylvaner war immer ein Gigant der Weinwelt. Die Württembergische Weinvereinigung nannte den Wein „Österreicher“, ein Synonym für diese außergewöhnliche Rebsorte. In der Wissenschaft war der Geschmack des Sylvaners der Maßstab, denn er schmeckte so, wie Wein nur schmecken sollte. Nun hat der Sylvaner aber ein Problem mit der üblichen Vinifikation von heute, und kommt mit den zu fast 95% eingesetzten Zuchthefen nicht gut zu recht.
Unser etwas anderer Weg: beste Trauben werden abgeschnitten, gepresst und ruhen gelassen. Daneben werden nach Uraltmethode Dampfeln angesetzt, das heißt, frühzeitig reife Trauben ausgepresst und in kleinen Behältern auf verschiedenen Standorten von Natur aus angegoren. Die einzelnen gärenden Proben werden verkostet und die mit dem besten Geschmack werden als Gärstart in den Most eingebracht. In Summe ist das Ergebnis ein totaler Gegensatz zu einem üblichen Wein mit 10% Alkohol – ein Wein mit Fülle und reinsten Tönen, die mit Worten nicht sinnerfassend beschrieben werden können.
Mehr Infos auch über den Bibelweingarten nach dem Alten Testament von Christian Grassl, wo die Symbiose von 1000 Maulbeerbäumen und Wein erforscht wird; der Besatz ist zwangsläufig mit der ältesten, seit 2700 bekannten Sorte, dem Grünen Sylvaner. (In einem Hügelgrab in Zagersdorf fanden sich angekohlte Traubenkerne, die genetisch analysiert, den Beweis der Sorte Grüner Sylvaner lieferten.
Der Antrieb für Franz Lampl Küssner und Luis Frauwallner
„Steirer“ und die reale Weinwelt von heute mit Masse – Einheits- und Modetrends. Es geht diesen Zwei um Modelle zum Denken und Handeln, die eine stabile Existenz von kleinen Strukturen ermöglichen könnten. Normal wäre: im Voraus zu reden, Visionen aufzubauen und sich in den Medien zu rühmen – das ist es hier aber nicht – sondern sich durch Jahre einfach mit dem Keltern zu befassen und ganz einfach – kosten erleben lassen – völlig konträr – die Bitte des Autors – kosten Sie diese Weine. Mein Satz: „Ein großer Saugvignon Blanc ist nur ein Statist im Bereich des Besonderen“ – klingt wie eine Anmaßung oder einfach blöd – es war aber so. Bitte nur probieren – widerlegen, sollte es stimmen – wäre ein Fenster in die Zukunft etwas geöffnet.
