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Du betrachtest gerade Die große Erregung
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In der Kleinen Zeitung, in der Kronen Zeitung und im Standard – der übrigens erstaunlich gut und informell über die Probleme unseres Weinbaus berichtet – war das Thema rund um den Rotwein vom Weingut Moric von Roland Velich präsent. Dieser schaffte zwar die Bewertung zum Qualitätswein nicht, wurde international jedoch als großer 100-Punkte-Wein bewertet.

Wie aus den Berichten zu entnehmen war, reagierte der Direktor des Weinbauverbandes, Josef Glatt, prompt mit Änderungsvorschlägen: mehr Schulungen, weniger Koster, die auf jeweils fünf reduziert werden sollen und im Rahmen der Schulung eine besondere Anleitung erhalten. Soweit so gut.

Der unbedarfte Staatssekretär Sepp Schellhorn spricht jedoch von „Verkostungswillkür“ und gefährdet damit ein System, das sich über Jahrzehnte hinweg bewährt hat und den Qualitätsanspruch österreichischer Weine erheblich verbessert hat.

Zu diesem Thema: Es ist nicht das erste Mal, dass ein Wein bei der sensorischen Prüfung durchgefallen ist und bei anderen Verkostungen als ganz großer Wein erkannt und bewertet wurde. Allerdings haben die Prüfer pro Probe nur etwa eine Minute Zeit für ihre Bewertung. Für ein extrem subtiles Herauskosten von überdurchschnittlichen Impressionen fehlt schlichtweg die Zeit.

Realistisch betrachtet werden über tausend Weine sorgsam und so gut wie möglich von Fachleuten bewertet. Die Ergebnisse dienen durch den geschaffenen Mehrwert besseren Erlösen. Dieses System hat sich absolut bewährt. Dass unter diesen tausenden Proben jährlich zwei oder drei in ihrer Größe nicht erkannt werden, ist bedauerlich, aber nicht veränderbar. Zu mehr als 99 Prozent ist dieses System für die Betriebe ein bewährter Erfolgsweg – warum also etwas ändern?

Ahnungslose wie Herr Schellhorn beginnen mit ihrer medialen Macht, in die Weinwirtschaft einzugreifen. Sicher, die Entbürokratisierung ist das absolute Gebot der Stunde, denn der Weinbau erstickt in einem Wust zumeist chaotischer und sinnentleerter bürokratischer Maßnahmen. Ein Thema wie dieses birgt jedoch die Gefahr, dass aufgrund des medialen Drucks im Hauruckverfahren etwas Neues gebastelt wird – ob es wirklich durchdacht ist, spielt dann keine Rolle mehr. Hauptsache, man hat „etwas gemacht“.