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Du betrachtest gerade „Der Weinbau“ im Gespräch mit Mag. Georg Unterrainer zum Thema Rotwein und Krise

Mag. Georg Unterrainer hat nun in über 8 Jahren einen Weinvertrieb völlig anderer Art von null weg aufgebaut. Qualität, Rares und Besonderes ist sein Ziel. Das völlig Ungewöhnliche ist, den Qualitätsweinbau auch im Rahmen von Built By Nature mit angepassten Preisen zu fördern. Hochqualitativer Weinbau ist Handarbeit, Mühe, verbunden mit einem großen Risiko durch Wetter und Klima. Aus seiner Sicht ist Wein nach den Regeln der Natur etwas Besonderes und steht im Gegensatz zum üblichen Weg mit den vielfältigen Hilfen, um schnell und billig am Markt überleben zu können. Er liefert den Beweis, dass der Konsument auch bereit ist, hochwertige Weine mit angepassten Preisen zu kaufen und zu genießen. Aber nicht nur in Österreich – seit Jahren baute er in kleinen Schritten einen gut laufenden Export, nicht nur nach Skandinavien auf.

Georg, wie begann Dein Weg und Deine Philosophie?

Ganz einfach: Ich arbeitete als Banker und mich interessierte das Thema Wein. So lernte ich auch den besonderen Genuss eines Glases Wein kennen – die Freude an einem „besonderen“ Tropfen. Sepp Baldrian öffnete mir mit seinem Wissen eine Schatzkammer, die mich begeisterte. Aus dem Ganzen heraus entstand die Idee, für Freunde und Bekannte einen kleinen, hobbymäßigen Weinvertrieb zu errichten.

Ausschlaggebend für die Entwicklung war, als ich hörte, dass ein österreichischer Weinbaubetrieb mit der mir wenig bis gar nicht bekannten Sorte Blauer Portugieser in New York bei einer beinharten Verkostung und Weinprüfung Doppelgold vor vielen Châteaus erhielt. Das kann nicht sein – vor Cabernet, Merlot, Shiraz – dass ein Ösi mit dem damals billigsten Rotwein aus dem Supermarkt im Karton auf diesem harten Markt der USA irgendetwas erreichen kann. Blödsinn! Deshalb kaufte ich 6 Flaschen, um dieser offensichtlichen Medienente etwas entgegenzusetzen. Mit absolut negativen Vorbehalten probierte ich dieses Gesöff – es geschah ein Wunder oder Irrtum, ein unfasslicher Traum an Genuss und Freude offenbarte sich mir.

„Auf einmal war ich Weinhändler – ohne es in dieser Breite als Hobby-Weinfreund gesucht zu haben.“

Aber die Skepsis war noch ganz stark in mir, weil es einfach nicht sein kann, dass ein Wein aus der untersten Image-Zone wirklich etwas Wunderbares sein kann. Deshalb habe ich Freunde zum Kosten oder zu meiner Korrektur eingeladen. Die Sorte kannte kaum einer. „Aber woher hast du den? Kannst du mir ein paar Flaschen davon bestellen?“ Aus dieser nicht geplanten Entwicklung entstand in Windeseile ein Boom bis hin zu palettenweisen Bestellungen bei dem Weinbaubetrieb. Auf einmal war ich Weinhändler – ohne es in dieser Breite als Hobby-Weinfreund gesucht zu haben. Aber es hat mich tief beeindruckt und ich begann, weitere Juwelen zu suchen. So entstand Georgs Salon. Und noch etwas ganz Entscheidendes lernte ich dabei: Ich verlangte damals 14 Euro für den „Unwein“ Blauen Portugieser – das stellte überhaupt kein Problem dar. Mein Lernprozess: Ist der Wein ein besonderes Erlebnis, ist der Preis eine völlige Nebensache. So einfach war es.

Was meinst Du zur aktuellen Rotweinkrise?

Wie üblich: hausgemacht. Dazu: Als ich begann, lernte ich per Zufall vom Weingut Fleckl einen Blauburger kennen – „Was ist das?“ Ich kaufte eine Probe, die mich beeindruckte, und wie üblich lud ich Freunde zu ihrer Meinung und einer Verkostung ein. Auch dieser wurde damals zum Renner – wobei in Kärnten die meisten mit dieser Sorte nichts anfangen konnten. Er war einfach gut.

Monika Strehn beeindruckte mit einem Blaufränkisch. Natürlich habe ich mich mit den großen Cabernets, Merlots, Shiraz intensiv befasst – es sind Erlebnisse, keine Frage. Nachdem die Holzhysterie endete und zum dezenten Begleiter eines Weines wurde, sind diese Weine von absoluter Güte. Aber der weininteressierte Konsument erlebt diese Sorten zur Genüge – und wenn noch Bordeaux draufsteht, ist er das Beste. Warum man internationale Massensorten – wenn auch von Güte – forcierte, die heimischen Rotweinsorten aber wie Stiefkinder in die zweite oder dritte Reihe stellte, habe ich nie verstanden. Was steckt im St. Laurent? Was steckt im Blauburger? Beim Zweigelt und Blaufränkisch hat man sich etwas bemüht, aber nicht mehr.

„Irgendwo steckt ein mir unbekannter Wurm in der Weinwirtschaft – wir haben ein großes Potenzial an Spezialitäten, die ungenützt verkümmern.“

Die Weinbaupolitik dürfte bei uns auf Zuruf von Journalisten und oftmals selbst ernannten Experten reagieren – von einfacher Logik völlig unberührt. Wir haben ca. 13.000 ha Rotwein – weniger als einen Fingerhut an Menge. Mit außergewöhnlichen autochthonen Sorten hätte man, wenn man diese weiterentwickelt und das Image angehoben hätte, den Winzern auch gute Preise sichern können. Dieser Fingerhut an Wein wäre jährlich ausverkauft. Irgendwo steckt ein mir unbekannter Wurm in der Weinwirtschaft – wir haben ein großes Potenzial an Spezialitäten, die ungenützt verkümmern.

Wie siehst Du eine Lösung?

Die Situation ist von vorne und hinten komplett vertrackt. Die Nachfrage nach und das Interesse an Rotweinen sind so gering wie nie. Mit dem internationalen Hype hat man viel zerstört. Dabei suche ich intensiv nach Rotweinen von höchster Güte, die Erlebnisse vermitteln. Wo gibt es einen absolut Top-St. Laurent? Es gibt sie kaum, denn sie brauchen intensive Arbeit und Pflege – um kleines Geld geht da nichts. Wobei Kathi Baumgartner mit dem besten Rotwein der Thermenregion, einem Blauen Portugieser, ein Signal zum Umdenken setzte.

„Die Chancen am Markt sind vorhanden, von der Qualität her sind wir absolut an der Spitze und wettbewerbsfähig.“

Grundsätzlich sollte die ÖWM markant und mutig eine PR-Strategie für das Rotweinland Österreich umsetzen. Die Chancen am Markt sind vorhanden, von der Qualität her sind wir absolut an der Spitze und wettbewerbsfähig – das sehe ich immer bei meinen jetzt schon langjährigen Skandinavien-Exporten. Die Built by Nature-Rotweine halten jedem Wettbewerb stand. Übrigens: Im Billigsegment bin ich auch nicht im Export – Qualität hat ihren Preis.

Eine Summe?

Warum kann sich der österreichische Weinbau nicht frei entwickeln? Nach meinem Gefühl werden irgendwo Entscheidungen getroffen, die mit Logik nicht nachvollziehbar sind – und letztlich muss es dann der Winzer ausbaden.

Vielen Dank für das Gespräch!