Ausgedünnt, einerseits durch Unverstand der Winzer, andererseits auch durch solche Unternehmer, die in der Vinothek nur ein schnelles Geschäft sehen.
Gerade jetzt wäre die Suche nach bzw. die Unterstützung von engagierten Vinotheken höchst angebracht. Denn Vinotheken, im Sinn von Spezialisten, die beraten und erklären können und das Edle aus der Masse des Uniformen heben können, benötigt der individuelle Weinbau dringender denn je.
Denn der Lebensmittelhandel hat den Wein als Werbeprodukt entdeckt; nicht nur bei Spar bieten sich die Weine in der Anmutung einer umfassenden Vinothek an. Dagegen ist nichts einzuwenden – aber Rewe hat in Österreich 1990 Filialen. Von echten Spezialitäten gibt es ein- oder zweitausend Liter, 5.000 Flaschen sind in der Praxis schon extrem selten.
Das heißt: pro Outlet gäbe es davon nur eine oder vielleicht zwei Flaschen. Was natürlich völlig unwirtschaftlicher Blödsinn wäre! Dieser Vergleich dient nur dazu, um die nötigen Supermarktmengen zu veranschaulichen.
Unter mindestens 30.000 Flaschen mit einheitlichen, wenn auch durchaus guten Weinen geht hier nichts. Diese Hypothese ist nachvollziehbar. Bei Spar, mit seinen ca. 2.000 Outlets die Weine anbieten, ist das für jeden Konsumenten eindeutig erkennbar. Wenn je zehn Flaschen eines Weines im Regal (plus Vorrat im Lager) vorhanden sind, ergibt sich daraus die Basismenge.
Zum Verständnis: Diese Mengen bedürfen im Qualitätsweinbau einer Rebfläche von etwa sieben Hektar!
Die durchschnittliche Fläche eines österreichischen Winzerbetriebes beträgt unter fünf Hektar, im Schnitt mit sieben Varietäten und zumeist einem besonderen Wein, der als Visitenkarte dient.
Hinzu kommt, dass diese Weine in solch großen Mengen natürlich den Jahrgang, das Terroir und besondere Ausbauarten nicht so berücksichtigen können wie es bei kleinen Mengen der Fall ist.
Built by Nature
Eine gute geführte Vinothek ist der einzige Weg, solche besonderen Spezialitäten zu vermarkten – denn es bedarf Beratung und Information, damit der Käufer einen Hochgenuss erleben kann.
Hinzu kommt, dass die Spezialisierung im höchsten Segment für Winzer eher sportlich zu sehen ist – z.B. hat sich der „Built by Nature“-Winzer Roland Berger als Visitenkarte des Könnens auf die Randsorte Neuburger verlegt, die – wenn es um die Spitze geht – im Aufwand/Ertrag über einen Cabernet steht: sein Endpreis von 12 Euro ist für „Neuburger“ hoch, aber dieser Endpreis ist auch nur deshalb möglich, weil er vom Gesamtbetriebsergebnis gestützt wird.
„Built by Nature“-Winzer Graßl in Göttlesbrunn hat einen Weingarten nach der Bibel mit 1.000 Maulbeerbäumen gesetzt, um die jahrtausendealten Synergien der Pflanzen zu erkennen – ein zigtausend Euro teures Unterfangen – und den Wein auch entsprechend kultiviert.
„Built by Nature“-Winzer Zeilinger in Hohenwarth hat mit großem Aufwand Weißweinsorten gesucht, die die Erderwärmung von 900 bis 1300 mit Säurebildung überstanden haben (Weißweine dürfen und müssen durch die Klimaerwärmung mit weinfremden Säuren konsumierbar gemacht werden).
„Built by Nature“-Winzer Gober hat die zu 95% übliche malolaktische Gärung (Zugabe von Bakterien) durch Reifezeit ersetzt.
Diese Liste, erstellt von der Fachzeitung „Der WEINbau“, umfasst über 200 spezialisierte, extrem hochwertige Weine – welche nur mit persönlichem Einsatz oder über Vinotheken den Markt finden! Sie sind in der Produktion wesentlich teurer und nur in geringen Mengen vorhanden – sichern aber Weinerlebnisse, die gerne nachgekauft werden. Gut geführte Vinotheken sind also die Schatzkammern des Erlesenen!
Soweit die Theorie. Eine reine „Weinverkaufsfirma“ wird diesem Anspruch in keiner Weise gerecht. Es muss schon ein Ort sein, wo durch Wissen und Akribie Seltenes und Rares in der Welt der Masse zu finden ist. Das wäre für viele Winzer ein Weg in die Zukunft, denn je größer die Masse wird, umso wertvoller wird das Rare – ein Dogma der Wirtschaft!
Was dieser Branche fehlt, ist eine klare Zuordnung die den Spezialisten erkennbar gestaltet. Eine Kooperation dieser Spezialisten unter einem Marketingdach, das einfach zu fianzieren wäre. Mag. Unterrainer zeigt mit „Built by Nature“ bereits den „extremsten“ Spezialitäten die Richtung.
Die andere Seite dieser Realität ist natürlich: extrem erlesene Weine bedeuten auch extremen Arbeitsaufwand und sind selten in Mengen von mehr als 2.000 Flaschen vorhanden – denn diese Weine werden nicht aufwandsgemäß honoriert.
Weiterführende Links

