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You are currently viewing Klimakrise: Garaus für den Wein?
Foto: canva

Der Klimawandel ist ein Fakt, der weder zu leugnen noch zu verniedlichen ist.
Aber gerade im Weinbau ist er kein Anlass, um in eine trübe Zukunft zu blicken.

Mit ein bisschen Nachdenken zeigen sich Lösungen, denn unser Kulturweinbau ist seit 3.500 Jahren z. B. mit der Situla von Kuffern belegfähig, der Sortenanbau mit Grünen Sylvaner und Weißburgunder seit 2.700 Jahren in Zagersdorf wissenschaftlich bewiesen. Aber auch die verschieden Klimaphasen, wie zum Beispiel die große Erderwärmung zwischen 900 und 1.300, als Norwegen zu einem Kornland wurde. Unsere autochthonen Reben haben schon viel größere Veränderungen ausgehalten als jene, die zur Zeit für die Zukunft prognostiziert werden.

Ein Problem liegt in der Rebzüchtung der letzten 100 Jahre, die insbesondere ab den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts auf Masse und Menge ausgerichtet war; das Ergebnis waren empfindliche Massenträger. Deshalb wäre es sinnvoll, in alten Anlagen nach den Urformen des Weinbaus zu suchen und auch die Züchtungsziele zu verändern.

Wir haben uns, als die Klimaveränderung absehbar wurde, mit diesem Thema befasst. Die Frage war: Was stand in der Zeit der großen Erderwärmung in den Lesehöfen der Klöster? Da der Weißwein das Blut des Herrn ist – aber diese große Klimaerwärmung müsste säuremangelbedingt ziemlich Unerfreuliches auf die Tische des Adels der Äbte gebracht haben. Was tranken sie? In einer sieben Jahre dauernden analytischen Suche wurde deutlich erkennbar und belegfähig die Sorte Rotgipfler ausgemacht. Mit einem befreundeten Weingut im Weinviertel setzten wir eine Anlage – vom Säuremangel war im Verhältnis zu den anderen Sorten nichts spürbar, im Gegenteil: Fruchtige Säuren dominierten.

Es ist aber auch ein Thema der Betriebsausrichtung hinsichtlich Rebanlage, Lesezeitpunkt und Vinifizierung. Das Weingut Günter Gangl hat sich in Illmitz auch auf fruchtbetonte säurereiche Weißweine spezialisiert. Vom Grünen Veltliner bis zum Rheinriesling spannt sich ein Sortenbogen frischer säurebetonter Weißweine. Die Weine stehen im Widerspruch zum Image des sonnendurchfluteten Seewinkels und sind ein Beweis, dass auch in einer sehr warmen Region fruchtbetonte Weißweine mit einem schönen Säurespiel absolut möglich sind.  

Schade ist nur, dass einige Kollegen die Erderwärmung als Marketingbasis verwenden und den Konsumenten dadurch noch mehr verunsichern. Die große Kampagne im Herbst 2023 mit dem „letzten Grünen Veltliner“ dient hier als Negativbeispiel, auch wenn es für den verursachenden Betrieb ein absoluter Erfolg war.

Mit Vernunft können wir Lösungen erkennen und dieser Bedrohung entgegentreten.

Alles Gute für die Zukunft
Ihr Weinbau-Team