• Beitrags-Kategorie:Aktuelles / Marketing
  • Lesedauer:4 min Lesezeit
You are currently viewing ÖWM Die unendliche Geschichte – eines außergewöhnlichen Weges

In der durch den Glykolskandal ausgelösten, tiefsten Krise des österreichischen Weines, gegen die die Coronakrise ein Klacks ist, erdachte der Altpräsident Josef Pleil die Idee einer zentralen Marketing- und Dienstleistungsagentur für österreichischen Wein. Ein Jahrhundertgedanke, der akribisch umgesetzt wurde und den österreichischen Wein damals aus der Krise holte.

Weitsichtige Leute wie Wolfgang Lusak und später Bertold Salomon setzten Maßstäbe, die heute noch Bestand haben. Dazu gehört der Salon, VieVinum, die DAC-Auszeichnung und vieles mehr. Daneben gab es auch Schwächen in der Leitung. Der zu Beginn sehr aktive Willi Klinger wurde zunehmend träge. Dabei war eines der Hauptprobleme nur Insidern bekannt, nämlich, dass diejenigen, die die Finanzierung sicherten, auch maßgeblichen Einfluss ausübten. 

Es gab so viele verschiedene Interessen im Hintergrund, ob es bestimmenden landwirtschaftlichen Organisationen oder auch Politiker waren, alle wollten mitmischen. Einfach gesagt, zu viele „Köche“ waren dabei.

Die abenteuerlichen Rechnungshofberichte – wie z. B. 60.000 Euro für ein Abendessen – Freihandvergaben in Summe von 700.000 Euro. In Summe zeigte der staatliche Rechnungshofbericht ein schonungsloses Bild der Geschäftsführung, die in einem fast rechtsfreien Raum agierte – 60.000 Euro für ein Abendessen, Freihandvergaben in Summe von 700.000 Euro. Vergabegesetz, Erfolgskontrolle und Evaluierungen waren unbekannt. Die Frage der Sinnhaftigkeit einer Maßnahme oder eines Events war nie ein Thema.

Der Bericht des Rechnungshofes zur Weinmarketing (Follow-up-Überprüfung) mit Reaktion liegt öffentlich vor:

https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXVI/III/III_00217/imfname_724081.pdf

Nicht bewertet wurden darin die Explosion hinsichtlich der Teamgröße mit unklaren Strukturen. 

Diese Basis übernahm Chris Yorke 2020

Ein unbekanntes Blatt mit einem beachtenswerten Curriculum. „Wohin wird der Weg gehen?“, war die spannende Frage. In Neuseeland zeigte er, wie man erfolgreich strategisches Marketing für ein Weinland umsetzt. Aber – und das war der entscheidende Unterschied – in Neuseeland bestimmen einige wenige, vor allem die Betriebe, wohin der Weg gehen soll und muss. In den vielen Gesprächen mit Hermann Seifried vom Seifried Estate Neuseeland zeigte sich, dass die der Praxis entstammende Struktur das Erfolgsgeheimnis von Neuseeland ist.

Dazu Österreich, das Land der Kammern, der Gremien, der Regierungsräte, der Landesfürsten, sprich Landeshauptleute, die Bundesländer mit ihren jeweils eigenen Gremien und Verantwortungsträgern – das heißt, was in der Steiermark gemacht wird, muss nichts damit zu tun haben, was in Niederösterreich geschieht.

Ein Mann von außerhalb, an komplett andere Strukturen gewöhnt, „stürzt“ in unsere heimischen Gepflogenheiten. „Schafft er das, wie geht er damit um?“ – das war die Frage. Yorke machte das sehr ruhig, besuchte Betriebe, die – wenn sie auch groß sind – nicht in das Schema der ÖWM-Manager passten, und machte sich ein Bild der Situation.

Vie Vinum © ÖWM
Prowein © ÖWM Tibor Rauch
Chris Yorke, Geschäftsführer ÖWM © ÖWM / Anna Stöcher
Österreich Wein veranstaltete die erste Auflage des Austrian Tasting – The Stay-at-home Edition in Großbritannien. 170 Gäste hatte die Möglichkeit österreichischen Wein in der hybriden Auflage des jährlichen Tastings zu verkosten. © ÖWM
Die Teilnehmer konnten 12 Winzer-Portfolios individuell auswählen und erhielten eigens abgefüllte Kleinflaschen (100 ml) vor dem Event zugestellt. © ÖWM

Die ÖWM wurde zusehends schlanker und klare, für jeden einsichtige Strukturen entstanden mit klar definierter Verantwortung für die jeweiligen Bereiche – so viel zeigt schon die ÖWM-Website. Von den großen Innovationen von einst, den „New Faces“, ist nichts mehr zu hören. Die ÖWM veränderte sich vom Monument des Besonderen zu einem Dienstleister an der Weinwirtschaft, die Kampagnen veränderten sich in der Wortwahl und im Inhalt – z. B. „Tastings in the United Kingdom“ – ein neuer Weg.

Offensichtlich kommt Chris Yorke mit den speziellen Gepflogenheiten der Österreicher gut zurecht und setzt bisher ruhige sinnvolle Schritte für unser Weinland.

Die Zeit wird zeigen, ob man die VieVinum von einem Volksfest mit „Standeln“ und Überbuchung wieder in ein Weinerlebnis hoher Güte verwandeln kann. Dasselbe gilt für den Salon, der seit den Zeiten von Dr. Salomon keine Veränderung erfuhr – Baustellen gibt es genug.

BESTE 100 WEINE DER WELT: ÖSTERREICH IMMER DABEI

© ÖWM Manuel Zauner

Der Grundzug der ÖWM ist nach wie vor eine hervorragende Dienstleistung am gesamten österreichischen Wein, vorausgesetzt, man geht es richtig an. Yorke und sein Team sind auf einem guten Weg.

Anmerkung der Redaktion: Wir suchten keinen Kontakt zur ÖWM, sondern recherchierten „draußen“ im Weinland zum Standpunkt der Weinwirtschaft. Sie war überwiegend positiv gestimmt, sogar bei großen Skeptikern der Vergangenheit

Links