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Ein „begründeter“ Bericht!*)

Die Vorgeschichte. Der Landmaschinen-Partner Carl Hoffmann in Piesport an der Mosel war schon immer mehr als „nur“ ein Händler, er ist vielmehr ein enger Partner, der sich seit drei Generationen technischen Lösungen vor Ort widmet. 

Die Region hatte durch ihre extremen Steillagen im Weinbau immer schon das Problem, dass eine übliche Serientechnik nicht einsetzbar ist, sondern dass Adaptionen beziehungsweise Neuentwicklungen erforderlich sind. Das war die Herausforderung: den Steillagen-Weinbau mit angepasster Technik am Leben zu halten. Das sichtbare Sterben der besten Lagen hat das damals junge Team extrem betroffen gemacht. Das Zusehen, wie die berühmten Lagen aufgegeben wurden, weil sie – bedingt durch den exorbitanten Aufwand – nicht mehr wirtschaftlich zu bearbeiten sind. Diese Realität führte dazu, dass insbesondere Peter Hoffmann das durch Generationen erworbene Wissen von Praktikern für eine Suche nach praxisgerechten Lösungen einsetzte. Der Parameter, höchste Qualität mit Arbeitsvereinfachungen zu erhalten, und die Edellagen mit Technik wiederzubeleben war das erklärte Ziel.

Das vorhandene Wissen aus dem Alltag, die engen Kontakte, die sich immer um das gleiche Thema drehten – ‚wie kann man in Steillagen überleben‘ – führten zu der Idee, eine wirklich dienliche Lösung zu entwickeln.   

Für ein verhältnismäßig kleines Unternehmen eine nahezu unlösbare Aufgabe, in einem Markt wo Weltkonzerne bestimmen. Für diese Konzerne sind die Steillagen (die weniger als ein Prozent der weltweiten Weingartenfläche ausmachen) allerdings kein wirtschaftliches Thema. Das Team um Peter Hoffman begann also, die Idee zu entwickeln – die Steillagen vor der Haustüre als Experimentierfeld waren ja gegeben. Eines war sofort klar: dass nur Raupengeräte als technische Basis für die Arbeit in Frage kommen. Hinzu kam, dass die Firma Andreoli, ein hochwertiger Spezialist, die Idee von Peter Hoffman – Steillagen wirklich wieder nutzbringend in den Markt zu bringen – für unterstützenswert hielt. 

Stück für Stück wurden die Details für die Idee ausgearbeitet, vorhandenes Material (wie z.B. einer der besten Leseköpfe) gesucht, für den Zweck adaptiert und im nächsten Weingarten ums Eck getestet. Das ist auch das Besondere daran: dieses Projekt entstand in einer engen Zusammenarbeit mit Winzern, mit denen Hoffmann teilweise eine jahrzehntelange Freundschaft verbindet; nicht Hoffman selbst bestimmte die Entwicklung, sondern der Anspruch aus der gelebten Winzerpraxis!   

2015 war die Entwicklung eines praxisgerechten Vollernters und Geräteträgers soweit, dass bereits im Jahr darauf YouTube und die Fachwelt ins Staunen kamen; Idee und Ergebnis wurden mit hohen Auszeichnungen versehen. Die laufende Weiterentwicklung führte zu einem perfekten System für Steillagen und zu Arbeitsergebnissen von hoher Qualität.

Allerdings musste Peter Hoffmann eine sehr schwere Entscheidung treffen: das Projekt entwickelte sich von einer Idee kontinuierlich zu einem Welterfolg in dem kleinen Bereich der Steillagen-Arbeit. Dies als „Nebenbei‘“ der Firma Carl Hoffmann zu führen stellte sich als unmöglich heraus und führte zu der zwangsläufigen Entscheidung – entweder volle Konzentration auf die Steillagentechnik oder den gut laufenden Landmaschinenbetrieb weiter ausbauen?  Nach langen Gesprächen mit der Familie über die Zukunft wurde eine klare, wenn auch schmerzvolle Entscheidung getroffen: nach drei Generationen das gut laufende Fachunternehmen zu verkaufen und alle Kraft von Peter Hoffmann in CH Engineering GmbH zu setzen. (Wirtschaftlich war der Verkauf nicht von Bedeutung, denn die CH Engineering GmbH läuft gut und ertragreich – es ging nur um das Prinzip – salopp formuliert – dass ein gleichzeitigiges ‚Tanzen auf mehreren Kirtagen‘ langfristig einfach nicht aufrechtzuerhalten war.) 

Das System bietet heute: 

Vorschneiden – Mulchen – Grubbern – Laubschneiden – Pflanzenschutz – Weingartenvorbereitung – Pflanzen und natürlich auch für die Lese perfekte Arbeit. 

Der Basisschwerpunkt Steillagen ist im Arbeits- und Kostenbereich nahe dem Aufwand für „einfache“ Lagen zu führen. 

Eine Anmerkung zu der Zeile „ein begründeter Bericht“:

Wir vom Weinbau stehen in der Praxis und sind mit vielen Winzern der Steiermark seit vielen Jahren eng befreundet. Die Steiermark hatte bis vor etwa 15 Jahren (dem Aufwand geschuldete) gerechte Preise, der steirische Wein war also „teurer“. Aus logisch nicht zu begründenden Ursachen begannen einige Winzer, ihre Preise denen der Masse anzugleichen. Dieser „Werteverfall“ zeigte sich deutlich, die Schere im Vergleich üblicher Weingartenanlagen gegenüber dem Steillagen-Aufwand begann sichtbar zu werden. 

Wir hörten, dass sich ein Unternehmen in Deutschland mit Steillagen befasste, fanden dann die Firma Hoffmann und haben diese in die Steiermark eingeladen. Zwei Tage wurden die Weingärten vorgestellt, abgegangen mit der immer gleichen Frage: „Geht das?“ Nach dieser Reise und vielen Gesprächen suchte sich das Unternehmen einen Vertriebspartner, es begann zu laufen. Silberberg erstellte eine Analyse über die Qualität des Leseergebnisses, wo kein Unterschied von einer engagierten Handlese zum Maschinenergebnis von Hoffmann Technik organoleptisch erkennbar ist. 

Der Gedanke von damals ist der Gleiche wie heute: Aufwand und Mühe in der Steiermark sind ungleich höher als im Burgenland und Niederösterreich (ausgenommen ist hier natürlich die Wachau) und ist im Massenwettbewerb chancenlos. Deshalb muss der technische und personelle Aufwand für Weine von Güte soweit als möglich den Basiskosten der üblichen Lagen angepasst werden. 

Nicht zu verstehen ist, dass der steirische DAC die Handlese in den Vordergrund rückte. Jeder Praktiker kennt das Riesenproblem der Lesehilfen. Hinzu kommt, dass wir klimabedingt die Nachtabkühlung benötigen – um fünf Uhr morgens Hilfen zu bekommen – ein Witz! – und das, in einem Bundesland, wo das Institut in Silberberg einen breiten Beweis der Qualität des Steillagenvollernters geliefert hat..