Ein Lehrbeispiel, wie man eine der erfolgreichsten Marken durch laufende Eingriffe verschiedenster Lobbygruppen zum Absterben bringt. Auf den „neuen“ Junker warteten bis vor wenigen Jahren Konsumenten, Handel und Gastronomie voll Ungeduld. Nicht nur bei Plachutta, sondern auch in der Topgastronomie und in den Medien Österreichs war der jeweils neue Junker ein Hit. Der legendäre Sommelier Herr Feichtinger von Plachutta Hietzing sorgte sich um Nachlieferungen und verteilte den Wein bis zur nächsten Lieferung fast nur an Stammkunden. Unvorstellbar, welchen Stellenwert diese Marke für Konsumenten hatte.
Wie kam es zu dieser Entwicklung? Der steirische Junker wurde als hochwertige Vermarktungsschiene von Ing. Surma und seinem Team für eine bessere Verwertung des Müller-Thurgaus entwickelt. Der Wein hatte ein klares Profil im Geschmack und unterschied sich über die Jahre nur in kleinen, jahrgangstypischen Nuancen. Obwohl damals der Müller-Thurgau einen Großteil der steirischen Ernte ausmachte, war die Nachfrage so groß, dass es fast an Mengen mangelte.
Deshalb öffnete man die Regeln und gestattete Verschnitte mit allen Weißweinsorten, die als „Steirischer Junker“ auf den Markt kamen. Auf einmal gab es Junker mit Sauvignon-Charakter, mit typischen Weißburgunder-Noten und andere mit verschiedensten Reifegraden. Das von den Konsumenten gewohnte Geschmacksprofil ging verloren, und mit der Vielfalt der neuen Geschmäcker wurde der Junker zu einem allgemein guten Wein – jedoch ohne den speziellen, gewohnten Charakter. Deshalb verlor sich das besondere Interesse, und heute ist der Junker eine Marke unter vielen, aber ohne Alleinstellung wie einst.
Dieses spezielle österreichische Syndrom: Wenn etwas Erfolg hat, beginnt man, es mit dem Ziel, den Erfolg massentauglich zu gestalten, zu verwässern und die erfolgreichen Regeln aufzuweichen. Die großartige DAC-Idee von Dr. Salomon, dass jede Region eine unverwechselbare Schwerpunktmarke haben sollte: Das Weinviertel – damals ein schlafender Riese des Massenweins – setzte den DAC-Gedanken perfekt um. Auf einmal war das Weinviertel mit dem DAC eine besondere und erfolgreiche Region.
Sofort wurde die Idee jedoch verwässert – andere DAC-Regionen setzten ebenfalls auf den Grünen Veltliner. Es zerteilte sich in Kleinstregionen, die natürlich nicht über die Werbemittel wie das große Weinviertel verfügen konnten. Dazu kamen Regulative, die man kaum versteht – wie in der Wachau, der Steiermark oder der Thermenregion. Der DAC-Gedanke des Besonderen hat sich im Grunde auf das „A“ als Werbemittel für österreichische Weine von einst reduziert.
Schade um den Junker, um den DAC und andere Stärken. Unsere Weinkrise von heute wäre zumindest mit starken Marken und einer klaren Philosophie erheblich abzumildern. Die Hoffnung, dass die Verantwortlichen daraus etwas lernen, ist gering.
