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You are currently viewing Vor lauter Bäumen sieht man den Wald nicht mehr – Pflanzenschutz, Dünger und Wundermittel

Die Natur funktioniert nach klaren Regeln. Der Mensch, der einen Apfel vom Baum oder eine Traube vom Stock nimmt, stört die Natur – denn er entnimmt ihr Mineralien und Inhaltsstoffe, die von der Natur zur Verrottung vorgesehen sind und der nächsten Generation von Pflanzen so Kraft für neues Leben geben. So einfach ist der Kreislauf der Natur – früher hat man ihn durch den Naturdünger Mist fast in der Waage gehalten. Dieser Zyklus stärkte die Pflanzen und sicherte Erträge. Wir ernten im heutigen Weinbau 5.000 bis 10.000 kg Trauben pro Hektar und Jahr die dann für die Verrottung fehlen.

Über Jahrzehnte entnehmen wir Makronähstoffe wie Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium, Magnesium und Schwefel und ebenso Mikronährstoffen wie Kupfer, Zink, Eisen, Mangan, Bor und Molybdän. Der ganze Lebenszyklus von Pflanzen wird dadurch nachhaltig gestört, sie erkranken leichter, was Maßnahmen notwendig machte. Eine Lücke für die Industrie entstand, mithilfe des Haber-Bosch-Verfahren wurde der Luft Stickstoff entnommen und konnte zur industriellen Düngung verwendet werden. Es war das Wunder der 50iger-Jahre des vorigen Jahrhunderts – die Stickstoffgaben ließen die Erträge fast explodieren. Dass der zugeführte Stickstoff nur das Bodendepot an Stickstoff wieder füllte, erkannte man nicht. Die Verantwortlichen der Landwirtschaft der Industrie empfahlen Stickstoffgaben in Massen. Dieser Vorgang, der wider wissenschaftlichen Erkenntnissen erfolgte, führte dazu, dass die Übermengen, die der Boden der, Humus nicht mehr aufnehmen konnte, in das Grundwasser  gelangten. Das Ergebnis war eine Nitratverseuchung.

Dazu: Die fast zwingenden Vorgaben  an Stickstoffdüngung für Landwirte und Winzer führten sogar zum Absterben von Weingärten. Ein Privater aus Tattendorf, dessen Weingärten durch Überdüngung fast abstarben, führte dann einen Kampf mit den Kammern und der Industrie. Er wurde öffentlich als Geisteskranker, Psychopath usw. dargestellt. Prozesse folgten, die ihn nach einem Jahrzehnt, recht gaben, was aber nie den Weg in die Öffentlichkeit fand.

Drohne im Weingarten

Düngung im Sinn das die entnommen Nährstoffe wieder für Pflanzen verfügbar zu machen ist sinnvoll.

Aber die Sache hat einen Pferdefuß. Pflanzen müssen die Nährstoffe über Wirte wie z. B. Acetobacter Clostridium u. a. erhalten, die den Stickstoff für sie verfügbar machen. Im Grunde ein Menü, das über den Humus durch die Mykorrhitza für diese hergestellt wird. Ein Vergleich, der ebenso blöd wie richtig ist: Salz alleine zu essen wäre unvorstellbar und extrem ungesund und würde tödlich enden. Andererseits ist Salz in Kombination mit Speisen unabdingbar und gesund für den Organismus.

Diese Realität fällt unter den Tisch – dass die Anbieter von Mineralstoffdünger Phosphor in Tonnen streuen, die Pflanzen aber an Phosphormangel zugrunde gehen, liegt am Menü der Makro- und Mikronährstoffe.

Der Trend zur biologischen Landwirtschaft ist eine gute Entwicklung, nur schafft es die Natur trotz eines nährstoffreichen Grünlandbesatzes kaum, das jährlich Entnommene zu ergänzen. Durch das Mulchsystem ist man in der Steiermark dazu zwar in der Lage, doch dafür ist ausreichender Niederschlag sowie jahrzehntelanger Einsatz die Voraussetzung. 

Das Ziel müsste es sein, eine Humusschicht von 6 Prozent und mehr zu schaffen – es gäbe kein Trockenheitsproblem – 1 % mehr Humus bedeutet 10 % mehr Wasserkapazität, keine Erosionen, d. h. eine absolute perfekte Pflanzenernährung. Dieses Ziel klingt unrealistisch, aber Dr. Gräfe bewies in den Sechzigerjahren mit einem groß angelegten, geförderten Projekt, dass Humusaufbau ohne Chemie möglich ist. Werke wie in Andau entstanden, aber auch in Traismauer dank Wolfgang Unger, eines Managers des Bayer-Konzerns, der dieses System förderte. Aber für die Industrie war es das Ziel, dieses System schnell abzudrehen, weil damit ihr gesamtes Geschäft im Bereich Weinbau obsolet geworden wäre. Ing. Schneider kämpfte ein Leben lang mit dem auf Gräfe basierenden Biovin zum Humusaufbau mit zig wissenschaftlichen Studien und Belegen aus der Praxis – gegen die vereinte Kraft der wirtschaftlichen Großkonzerne.

Der Fakt Humus, die Entnahme von Nährstoffen und deren Ergänzung für gesunde widerstandsfähige Reben öffnete den gigantischen grauen Markt der Hilfsstoffe – mit folgend schweren Schäden im Weingarten. Wundersame Enzyme werden angeboten und eingesetzt. Auf der letzten Austro Agrar waren zwei Unternehmen vertreten, die Haarsträubendes erzählten, und es wurde trotzdem gut gekauft. Nicht, dass Hilfsstoffe prinzipiell Humbug sind, bei Ing. Zeilinger konnte im Langzeitversuch mit Panamin bewiesen werden, dass eine absolute Pflanzenstärkung möglich ist – Ing. Zeilinger konnte dadurch die Hälfte an Pflanzenschutzmittel einsparen. Heute bedienen sich Winzer mit einer Gesamtanbaufläche von über 800 Hektar erfolgreich dieses Systems. Auch Agrosolution mit der Düngetechnologie AGROSOL zeigt sehr gute Ergebnisse.

Für diesen Bereich der Hilfsstoffe und Wunderenzyme wäre eine wissenschaftliche Untersuchung von der Universität für Bodenkultur über das Bundesamt für Wein in Klosterneuburg bis hin zu den Weinbauschulen sowie der gesamten Wissenschaft zwingend. Es gibt Hilfsstoffe, die wirklich helfen, aber der Großteil ist Plunder, der schwerste Schäden verursacht.

Links

Höhere Bundeslehranstalt und Bundesamt für Wein und Obstbau