Die Steirischen Kartenhäuser brechen zusammen!
Warum ist gerade der Steirische Weinbau der treue Begleiter der Insolvenzstatistik?
BEKANNTES STEIRISCHES WEINGUT DOMÄNE MÜLLER SCVHLITZTERTIN IN DIE INSOLVENZ!
Es ist ein Betrieb mit großer Tradition: Jetzt müssen beide Gesellschaften der Domäne Müller Insolvenz anmelden. Dabei wurde erst im vergangenen Jahr der Einstieg des bayrischen Investors Hans Kilger spruchreif. Eine mögliche Fortführung ist offen.
STEIRERWEIN INSOLVENT WIRBEL IN DER WEINBRANCHE: KONKURS WEGEN KILGER?
Die Steirerwein Produktion und Handel OG ist insolvent. Miteigentümer Christian Reiterer sieht den Münchner Investor Hans Kilger in der Verantwortung. Es ist schon das zweite steirische Weingut innerhalb kürzester Zeit, das in Konkurs geht. Kilger wirft Reiterer wiederum eine „massive unternehmerische und menschliche Verfehlung“ vor.
Warum zeichnet sich die Steiermark als das Wein-Insolvenzland aus?
Die Steiermark mit den höchsten Durchschnittspreisen für Wein sorgt immer wieder für Insolvenzbomben: Einst bei Tscheppe – ein medialer Rummel – und viele stille Vergleiche ziehen sich am Rande durch. Das Polz-Drama zog breite Kreise und nun (im Wochentakt) mit der Domäne Müller und der Steirerwein, mit dem immer gleichen Investor Kilger, sind diese Entwicklungen nicht mehr zu übersehen. Was läuft in der Steiermark falsch?
Die Suche nach Größe und Masse ist in der Steiermark fast krankhaft – dann werden als „Wunderlösungen“ Investoren gesucht, um ein Imperium zu schaffen
Warum ist das so? Gerade in der Steiermark können qualitätsorientierte Winzer mit fünf Hektar Weingarten sorglos und gut leben – mit zehn Hektar auch noch, aber darüber wird es schwieriger. Warum werden dann vielfach Riesen mit hölzernen Beinen als absolutes Ziel erschaffen? Die Steiermark, in herrlicher Landschaft mit ausdrucksstarken Weinen auf 5000 Hektar – diese Größe entspricht in etwa dem Weingut Murfatlar in Rumänien oder in der neuen Weinwelt einer größeren Rebschule. Winzig, gefüllt mit Raritäten, in Erlebnislandschaften und mit breiter Bekanntheit in Europa.
Woher stammt der Irrsinn, nach Riesenbetrieben mit identitätslosen Massenweinen zu streben? Nur um sich dadurch die Qualität und den Preis selbst zu verderben.
Von Dummheit und Unwissenheit auszugehen ist auch grundfalsch – denn mit der Schule Silberberg, dem Landesweingut mit der besonderen Institution Haidegg, besteht eine für Österreich einzigartige Dichte an Fachinstitutionen. Der höchste Ausbildungsgrad mit Wissensservice der Winzer ist gegeben – der „Wurm“ muss also tiefer liegen.
Erinnern wir uns an den Junker von einst, auf den die Tophotellerie und die Weinfreunde in einer Art Zuteilung sehnsuchtsvoll warteten, oder daran, dass in jedem Tophotel bzw. Toprestaurant ein Wein von Polz zwingend war, usw.
Oder daran, dass der Schilcher in seinem Hype höhere Traubenpreise als jene der Wachau hatte. Die steirische Kammer hatte einen eigenen guten Kosmos – zum Unterschied von Restösterreich.
Eine Hypothese? Aufgrund des einstigen Erfolges des typisch steirischen Weines muss bei manchen ein Größenwahn ausgebrochen sein – obwohl naheliegend ist, dass Größe zu „Allerwelts“-Massenweinen zwingt und zum Verlust der Idedität führt. Dass man mit diesen Weinen dann im tieferen Preissegment arbeiten muss wurde scheinbar nicht erkannt – und endete in Insolvenzen.
Bis vor ein paar Jahren konnte man das noch sehr still durchziehen. Nun werden solche Fälle breit in den Medien aufgearbeitet – was ganzheitlich gesehen schwere Schäden für den steirischen Weinbau mit sich bringt. Es wäre angebracht, die Schatzkammer Steiermark neu zu orientieren – das Werkzeug der Sortenvielfalt mit Identität (für die es auch den Markt gibt!) ist ja vorhanden!
Man muss sich fragen: War/ist es richtig, vom typischen fruchtbetonten Wein in den Geschmack der Masse abzugleiten? War/ist es richtig, ausschließlich auf Sauvignon Blanc abzugleiten?


