Interview mit dem Pionier Ing. Manuel Schalko über das extrem erfolgreiche Geschäftsmodell „Weinhotels“

Herr Schalko, wie kommt man von einer Tischlerei aus dem „hintersten Waldviertel“ überhaupt zu dem Thema Wein?
Eine lange Geschichte: Vor drei Generationen lernte der Großvater einen Winzer kennen und er entwickelte für ihn eine Einrichtung im Stil der Zeit – einfach aber fast „unzerstörbar“. Dadurch kamen auch Kollegen des Winzers zu uns, und schon der Großvater begann sich übergreifend mit dem Thema Wein-Ausstattung und Anforderungen zu befassen.
Haltbarkeit und doch ein wenig individuelles Design war der Weg der sich entwickelte. Mein Vater ging diesen Weg weiter – und trug den wachsenden Ansprüchen Rechnung; es war ein Gleichklang: vom ehemaligen „Zimmer Ausstecken“ mit Wein (einen Heurigen und einen Alten) und als Speiseangebot höchstens ein Aufstrichbrot – bis zur Heurigenwelt von Heute. In den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts begann rund um Wien die Welt der „Heurigenarchitekten“; es wurde zumeist nach einem ziemlich einheitlichen Schema eingerichtet. Diese Entwicklung war definitiv nicht unser Weg, denn wir lernten ja nun schon über Generationen, dass ein Heuriger oder ein Winzerbetrieb für seinen Erfolg einen individuellen Maßanzug benötigt. Das Thema Wein/Heuriger/Weinräume und jetzt die boomenden „Weinhotels“ haben ja jeweils eine eigene spezifische Philosophie, die wenig bis nichts mit der klassischen Gastronomie bzw. Hotellerie zu tun hat. Deshalb haben wir viele Experten zu diesem Thema ins Boot geholt. Aber noch wesentlich wichtiger war die enge Verbundenheit mit unseren Kunden – oder besser: Partnern! So hat sich über die lange Zeit ein völlig anderer Zugang zu unseren Kunden als üblich entwickelt. Ehe wir ein Angebot legen, führen wir viele Gespräche mit dem Winzer bzw. der Familie, bis der „Maßanzug“ für den Betrieb erkennbar wird.

Herr Schalko, das klingt gut und schön – aber ist das Ziel der Individualität überhaupt immer erreichbar ?
Denken Sie nach: Jede Familie auf dieser Welt ist anders – die „Einheitsfamilie“ gibt es nicht – deshalb bietet jede Familie die Voraussetzungen für Individualität!
Herr Schalko, ist das nicht eine Geschichte – wer bezahlt das?
Wissen Sie, wir sind trotz modernster CAD/CAM Technik Handwerker im alten Stil geblieben. Lieber vier oder fünf (oder mehr) Gespräche, bis wir eine gemeinsame und persönliche Lösung entwickeln können, die dann angebotsreif wird. Lieber dieser Aufwand – als nachträglich Probleme ausbügeln zu müssen – so rechnet sich unser Weg!
Herr Schalko, konkret zu den Weinhotels:
Wie erwähnt leben wir seit drei Generationen eng mit dem Wein und der damit verbundenen Gefühlswelt. Die Weinlandschaft ist immer nahe der Sonne – voll des Lebens und mit wunderschönen Plätzen. Eine leichte Abkehr (nicht ausschließlich coronabedingt) von Fernreisen ließ einige Menschen erkennen, dass vor der Haustüre eine der schönsten Freizeit-Erlebnislandschaften im Weinland liegt. Wir beschäftigten uns – wenn auch in kleinen Schritten – schon länger mit diesem Thema, denn jede meiner Reisen in das Weinland war und ist ein Erlebnis.

Herr Schalko, das ist doch aber an sich nichts Neues?
Das stimmt nicht ganz, denn es gab früher zwar Fremdenzimmer bzw. kleine Pensionen für einfache Ansprüche, verbunden mit kostengünstigen Angeboten, die aber eher ein Nischendasein führten. Unsere Entwicklung hat andere Voraussetzungen und zwar jene an die Ansprüche von Heute: Die Ansprüche der Gäste an Komfort und Design entsprechen dem Label der üblichen Reisen. Sehr vereinfacht: Nehmen Sie einen Fernreisekatalog mit günstigen Angeboten her – was zum Beispiel an Komfort und Ansprüchen (auch schon in der günstigsten Form!) beispielsweise in Antalya angeboten wird ist für Konsumenten/Gäste der erwartete Minimalstandard. Dieser Minimalstandard bildet nur eine Plattform für das kompakte Angebot an Wein, Landschaft und Gesamtergebnis.
Herr Schalko, was heißt das konkret?
Wir müssen bei unseren Projekten das Gefühl an Harmonie und Weinerlebnis ansprechen (inkl. Licht- und Schalltechnik) das spezifisch an die Individualität des Betriebes anschließt. Der Gast muss erkennen, dass er seine Freizeit in und mit einem besonderen Erlebnis verbringt. Wir holten uns für diesen Weg Spezialisten aus Deutschland und der Schweiz, die in der Praxis der Erlebnisgastronomie und -hotellerie arbeiten.
Herr Schalko, wie sieht das in der Praxis aus?
Am Besten fahren sie zu unseren Partnern und erleben es vor Ort – denn mit diesem System ist es uns gelungen, dieses Erlebnis in extrem gute wirtschaftliche Bahnen zu leiten; die Betriebe sind gut gebucht und auch der gesamte Wein (meist von über fünf bis zehn Hektar Weingarten) findet über das System de facto einen Ab-Hof Absatz. Die Voraussetzung dafür ist natürlich die Qualität des Weines. Ich sende Ihnen gerne eine Referenzliste.

Herr Schalko, die nehmen wir gerne an. Worauf ist aus Ihrer Sicht grundlegend zu achten?
Nicht die Größe entscheidet, sondern die Machbarkeit mit der Familie (und kleinen Hilfen). Es zeigte sich, dass im üblichen Sinn auch sehr aufwendige Hotels wirtschaftlich zäh laufen.
Das größte Problem ist: der Gast möchte am Winzerleben je nach seiner Zeit und Interesse teilhaben – mit der Familie verbunden sein. Der Winzer hat aber natürlich kontinuierliche Arbeit und die Familie ihr eigenes Leben und Handeln. Diese verschiedenen Anforderungen – den Wunsch der Gäste nach „Winzer- und Weinerlebnis“ und das Bedürfnis nach dem eigenen und ungestörten Familienleben – in einen Guss zu bringen, ist eine Grundvoraussetzung.
Herr Schalko, die letzte Frage: Wie sehen Sie die Zukunft?
Klug gemacht kann die Zukunft sicher sehr erfolgversprechend sein – die Klimakrise bremst die Fernreisen. Die stete Entwicklung des nachhaltigen Denkens und Handels spricht ebenso dafür – und natürlich nicht zuletzt unser Weinland durch seine Vielfalt von Natur und Kultur!
