Du betrachtest gerade Handlese versus Maschinenlese
Menschen helfen bei der Weinlese

Ein Thema, das sich seit dem Beginn der Lesetechnik wie ein roter Faden durchzieht. Sicher, vor 35 Jahren war das Lesegut ein pampiger Haufen mit Blättern und Rebholz, wo sich viele (zu Recht) mit Grausen abwendeten. Aber die Technik entwickelte sich weiter, sodass schon vor 20 Jahren die Hochschule in Geisenheim in großen Versuchsreihen keinen Unterschied zwischen Weinen die von Hand gelesen wurden und maschinengelesen Weinen feststellen konnte – weder technisch noch organoleptisch.

Mittlerweile ist die Technik so ausgereift, dass das maschinengelesene Lesegut sogar besser ist als jenes von üblicher Handlese. Ganze Beeren ohne Fremdkörper sind bei richtigem Vorgehen perfekt. Verbunden mit einem High-tech Lesetisch werden die kleinsten Traubenfehler ausgeschieden – es geht um die Beeren, die unverletzt und ohne Krankheiten selektiert werden. 

Das ist die Normalität von Heute: die Handlese beruht auf der Traubenentnahme – die Lesetechnik auf unverletzten Beeren. 

Warum ist dann aber die Handlese ein Werbeinstrument? Es gibt ganz wenige Lagen – wie beispielsweise in der Wachau – die bisher für Maschinen ungeeignet sind. Wobei auch hier intensiv geforscht und entwickelt wird – denn wie in Deutschland liegen die edlen Bergweinlagen tatsächlich im Sterben, weil es keine Hilfen gibt – wobei Bearbeitungsmaschinen auch für einen Großteil dieser speziellen Weingärten vorhanden sind.  

Steillagen: sie zählen in Europa, am Rhein, an der Mosel, in der Wachau, in den Flusstälern, dem Friaul, der Steiermark usw. unter 4.000 Hektar – ihnen gegenüber eine Weltrebfläche von 5.400.000 Hektar. Also im Verhältnis ein Nichts – aber mit Riesenaufwand gegenüber einfachen, vollautomatisch bewirtschafteten Weingärten. Für einen Teil dieser Lagen ist die Handlese zwingend erforderlich und wird daher als gut darstellbares Werbemittel eingesetzt. Aber es ist zu differenzieren: extreme Steillagen wie in der Wachau bestehen aus tatsächlich kleinen, mit Steinmauern abgegrenzten Gärten. Aber für Steillagen, die zusammenhängen in der Falllinie, wie in der Steiermark, im Friaul und in Deutschland gibt es eine seit 2014 perfekte Maschinenlese-Technologie, die laufend weiter entwickelt wurde. (Hoffmann Engineering aus Piesport an der Mosel war der Pionier, verschiedenste Anbieter entwickelten sich ebenfalls in diese Richtung.) 

Und jetzt wird es schwierig. Die Realität der Lese ist: sie findet im Freien statt, manchmal in Kälte und Morast – das Sujet wo ein Mädchen im Sonnenschein lustvoll die Trauben abnimmt ist eben nicht die Praxis.  

Die Realität ist: selbst in Perchtoldsdorf, wo die Millionenstadt Wien vor der Haustüre liegt, finden sich keine Lesehilfen. Obwohl die Winzer bei der Bezahlung sehr großzügig sind. Drei Vollernter von höchster Qualität waren zwingend. Bis vor wenigen Jahren konnte man sich mit Leuten aus Osteuropa helfen; aber sie tun sich diese Arbeit nicht mehr an. 

Für die Steiermark, mit den in diesem Zusammenhang schwierigsten Steillagen (wo schon das Begehen ein Problem darstellt) finden sich auch keine Lesehilfen – das ist eines der größten realen Probleme der Winzer. 

Hinzu kommt, dass die Lese witterungsbedingt nicht verlässlich planbar ist. Regentage mit Wartezeit des Abtrocknens als Beispiel – deshalb würde man noch dazu die Hilfen „auf Abruf“ benötigen. Das gilt aber natürlich für alle Kollegen in der Region – passt das Wetter, brauchen alle Winzer zur gleichen Zeit die Lesehilfen. Ein unlösbarer Gordischer Knoten! Dieses Problem ist mit qualifizierten Steillagen-Vollerntern (sogar mit qualitativ wesentlich besserem Lesegut) lösbar. Deshalb wurden Maschinen angeschafft. Aber hier schlägt die typisch österreichische Unlogik zu: für den DAC ist die Handlese zwingend. Das heißt: ohne qualitative Fachbegründung wird ein enormes Problem für die Winzer geschaffen. Irgendwelche Leute – wenn man sie denn findet – schneiden ab, im schlechtesten Fall alles, was am Rebstock hängt. Ob faul oder unreif – alles kommt in die Traubenboxen. Sogar Ing. Kurt Nikodem versuchte einst mit Lehrkräften der Schule Silberberg mit Kursen Lesehilfen auszubilden um die Qualität zu sichern. 

Dieses Problem zieht sich aber durch alle Regionen – Hauptsache es gibt überhaupt jemanden der kommt!In Summe man hat mit dem (durch nichts zu begründendem) Argument „Handlese“ ein nach innen unlösbares Problem geschaffen – warum?