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You are currently viewing Die Austro Vin war gut. Aber? Ein Nachbericht.

Die Genesis.

Mir war schon vor langem klar: ohne qualifizierte Dienstleister ist ein Weinbau unmöglich. Gespräche, Produktvergleiche und Information vor Ort sind deshalb unerlässlich. Aus diesen Gedanken entwickelte ich eine Wein-Technikmesse – die Oeonotech entstand! 

Aufgrund des Erfolges setzte der Weinbauverband alles daran, das Projekt in die Hand zu bekommen; die Intervitis Wien wurde entwickelt. Mir war klar, dass das ein Flop sein wird – denn unsere Struktur mit einem so hohen direkten Weinverkauf ist weltweit einzigartig; Klein- und Mittelbetriebe bestimmen den Markt und Bedarf. 

Per Zufall ergab sich ein Kontakt zu dem Prokuristen der Tullner Messen, Franz Lasser – der den Grundgedanken einer Fach- Informations-Struktur erkannte und verstand. In vielen Enquetten wurde die Idee in die Branche getragen – der Widerstand zu Beginn war enorm: TULLN?! 

Franz Lasser und Mag. Thomas Diglas stellten die Messe auf die Beine: Vernünftige Standkosten ohne versteckte Nebenkosten und gute Fachbewerbung – das erfuhr schon bei der ersten Messe eine extrem hohe Zustimmung. Tulln schaffte damals einen Sonderweg als viele andere Fachmessen bereits in einen Abwärtstrend geraten waren.

Erschreckend schlecht waren zum Teil sehr hochwertige Fachvorträge besucht

Die Austro Vin 2022 

War durch Corona bedingt in einer Ausnahme Situation – nach Jahren wieder Die Austro Vin 2022 war coronabedingt in einer  Ausnahmesituation – nach Jahren wieder die Kollegen der Branche zu treffen, für die Winzer nach messelosen Jahren, sich wieder direkt informieren zu können der Anlass für Besuche. Gesamt waren fast alle zufrieden – aber der Besuch war laut Aussagen vieler Anwesender wesentlich schwächer als 2020. Sollte sich die Situation wieder normalisieren muss sich das (offensichtlich völlig Weinpraxis-ferne) Management wohl neu orientieren.

Soll die Austro Vin überleben, muss die Realität erkannt werden und als strategische Basis dienen. Für österreichische Großbetriebe ist die Vin Austria nicht von Interesse; sie bedienen sich internationaler Strukturen. Die Zielstruktur der Messe liegt zur Zeit bei den ca. 4.000 erfassten Weinerzeugern, die allerdings in einer dramatischen Abwärtsschraube sind. Die Analysen sagen für 2025 einen weitere Reduktion auf maximal 3.000 Betriebe voraus…

Die Relation zwischen den steigenden (bestenfalls gleichbleibenden) Kosten und einem schrumpfenden Markt wird für viele Aussteller sehr eng. 

Aber völlig unverständlich ist, dass – näher als nach Leibniz – in Tschechien, Slowakei und Ungarn Flächen von ca. 25.000 Hektar Weingarten liegen, die sich von großen Kombinaten in kleinere Strukturen (mit großem Nachholbedarf) wandelte und der dortige Besucher/KäufermarktT brachliegt, weil man ihn nicht aktiv anspricht. Schon einst bei der Gründung war diese Realität ein Ziel der Gedanken. 

Erschreckend waren die zum Teil sehr hochwertigen Fachvorträge besucht. In einer Durchgangshalle – mit hohem Lärmpegel – präsentierte sich Fachwissen „im Vorbeigehen“, ein konzentriertes Befassen ist in dieser Situation unmöglich; die Referenten spulten ihr Thema ab – einen Dialog gab es nicht. 

Aber gerade Fachvorträge mit Experten führen zu überfüllten Standorten – denn unser Weinbau besteht aus Winzern mit dem höchsten Bildungsstand der EU. Wissen als Grundlage der Existenz! Jene, die das dramatische Winzersterben überlebten, haben als Fundament ein über viele Bereiche gesplittetes Wissen. 

Z.B. hatte Professor Schwarz aus Geisenheim bei einer Kleinveranstaltung der Schule Eisenstadt (ohne nennenswerte Bewerbung) tollen Besuch aus den verschiedenen Weinregionen. Das heißt: über den Tellerrand zu blicken und einen Mix aus heimischer und internationaler Forschung zu bieten, wäre ein Besuchermagnet. Ein mitlaufender Kongress – über den Weinbau im „Ist-Zustand“ mit Blick in die nahe Zukunft wäre durchaus sinnvoll.

Was noch auffällt: Im Logo der Messe ist der Bereich Obstbau berücksichtigt – von diesem Bereich war allerdings kein einziger Spezialist bei dieser Messe zu finden! 

Auf lange Sicht wäre es schade um diese Messe, diesen Standort, die Lage, das mögliche „Hinterland“, die gute Organisation der Messe aber die gravierende, sich verändernde Struktur im Inland senkt die Besucherzahlen und die Kaufkraft und schwächt damit das Ausstellerinteresse. Situationsbedingt war die Austro Vin trotzdem ein Erfolg. Sollte diese in normalen Jahren weiter bestehen und sich entwickeln, wäre ein Umdenken zwingend: eine kleine, feine Fachmesse für ein Umfeld von 400km wäre wohl ihre große Chance…

Sepp Baldrian

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