You are currently viewing Vie Vinum – ein gut besuchtes „Weinfest“

Ganz still veränderten sich die Ziele: Von einer extrem hochwertigen Weinmesse für den internationalen Weinhandel hin zu einem „Weinfest“. Dieser Prozess, weg von dem elitären Schaufenster für den Weinhandel der Welt, ging sehr leise vonstatten; es begann klein, mit ausgestellten Landmaschinen im Freien, mit Traktoren und diversen Festzelten wurde die VieVinum zum „Weinfest“. Wobei der Begriff „Weinfest“ nicht zur Gänze stimmt – denn Destillate, Essig, Bier, Versicherungen und Diverses, das mit Wein nichts zu tun hat, präsentieren sich ebenfalls.

© Eva Kelety
© Eva Kelety
© Eva Kelety
© Eva Kelety

Vom internationalen Handel konnte keiner der von uns befragten Aussteller etwas erkennen. Die VieVinum 2022 war eine Begegnung mit den Stammkunden und diente sicherlich zur Kontaktauffrischung. In diesem Sinn war die VieVinum sinnvoll, Neukunden auf internationaler Ebene gab es jedoch nicht. 

Sicher, die ÖWM lud Journalisten ein, von Bloggern bis zu Vertretern von Regionalblättern, die sicher einen Beitrag zur Imagebildung leisten. Allerdings: die weltweit marktbestimmenden „Weingurus“ der großen Medien fehlten.. 

Es gibt aber auch andere Sichtweisen, wie in der Pressemitteilung der VieVinum zu sehen ist. Ein Auszug:

„Seit 1998 dokumentiert Österreichs internationales Weinfestival im Zweijahresrhythmus die Karrieren der österreichischen Winzer. Von Beginn an bündeln dafür der Messeveranstalter M.A.C. Hoffmann und die Österreich Wein Marketing (ÖWM) gleichermaßen Kompetenz und Innovationsgeist. Dieses Jahr kamen auf Einladung der ÖWM mehr als 1.000 internationale Händler, Sommeliers, Gastronomen und Journalisten auf die VieVinum. Dank exzellenter Jahrgänge wie 2019, 2020 und 2021 könnten die Rahmenbedingungen nicht besser sein.“

Es liest sich gut: 1.000 internationale Händler? Super, – aber: in dieser Zahl sind ja eben auch Sommeliers, Gastronomen und Journalisten enthalten.

In Summe: Es ist gut, dass es dieses Weinfest gibt – um alte Kontakte zu intensivieren, sich zu treffen – auch, damit die heimischen Größen wie beispielsweise Präsident Schmuckenschlager eine Plattform haben. 

Die Chance, in der Hofburg eine hochwertige Handelsplattfom für die Elite zu bieten – wie es Salomon damals erachte – ist aber wohl für immer vorbei.

Dieses Fest ist ein regionales Event, für die Weinerzeuger als solches durchaus sinnvoll und ein Muss, sich dort zu präsentieren. 

Nur, was wir wirklich benötigen für den Export hochwertiger Weine zu geordneten Preisen, erfüllt die VieVinum nicht – kann sie auch nicht, denn so wie sich die VieVinum präsentiert entspricht sie eben dem Festcharakter.

Das spezifisch „Österreichische“ zeigt sich hier besonders: Eine einzigartige Idee, eines der schönsten Objekte der Welt – die Hofburg – mit der qualitativen Elite der österreichischen Weine für das Image zu nützen und mit dem weltweiten Handel zu verbinden war einzigartig und wurde auch angenommen. 1998 und 2000 trafen sich die internationale Weinprominenz und der Handel bei der VieVinum, was sich einerseits in den internationalen Medien widerspiegelte und andererseits den Ausstellern auch sehr gute Verkäufe sicherte. Aber diese klaren Ziel wurden „austrifiziert“ – verwässert: Hauptsache mehr Aussteller, mehr Cash. Sukzessive wurde das Event zu einem Rummelplatz – überfüllt. Das außergwöhnliche Ambiente war dahin, sinnvolle Gespräche mit Informationen waren und sind in der Atmosphäre der dicht gedrängten Besucher einfach nicht machbar – es kann nur Oberflächliches abgehandelt werden. Diese Entwicklung führte dazu, dass das Interesse der tatsächlichen Experten und des internationalen Handels verebbten.

Wir haben nun ein (Wein-)Fest in der Hofburg – auch gut. Ebenso, dass anlässlich der VieVinum Willi Klinger das Goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich erhielt.